Was ändert sich 2016 für Unternehmer?

Änderungen 2016

Steuerliche Änderungen für Unternehmer im Jahr 2016

Diese für Unternehmer wichtige Steuergesetze haben sich Anfang 2016 geändert

So profitieren Firmenchefs von neuen Möglichkeiten – und vermeiden Belastungen

Mit Beginn des neuen Jahres kommen auf Unternehmen wichtige steuerliche Änderungen zu. Für Erleichterungen sorgen das Bürokratieentlastungsgesetz und der Investitionsabzugsbetrag ebenso wie die Konzernklausel im Steueränderungsgesetz. Generell Entlastung bringen die höheren Grundfreibeträge und neue Progression der Einkommensteuer. Unternehmer sollten zudem auf die neuen Sachbezugswerte 2016 achten. Ebenfalls wichtig: Mit Blick auf die Freistellungsaufträge für private Kapitalerträge und die steuerliche Anerkennung von Unterhaltszahlungen ist die steuerliche Identifikationsnummer unverzichtbar.

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Bürokratieentlastungsgesetz: Weniger Pflichten, weniger Aufwand

Am 1. Januar 2016 tritt das im Juli 2015 beschlossene Bürokratieentlastungsgesetz in Kraft, das Erleichterungen bei den Buchführungsvorschriften und der Lohnabrechnung bringt. Gründer werden von aufwendigen Meldepflichten entlastet. Das sind die konkreten Änderungen:

Deutlich mehr Kleinunternehmen als bisher werden von den Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten des Handelsgesetzbuches sowie der Abgabenordnung befreit. Die Erleichterungen gelten für Unternehmen mit einem Umsatz von höchstens 600.000 Euro (bislang 500.000 Euro) und einem Gewinn von höchstens 60.000 Euro (bislang 50.000 Euro). Diese Unternehmen können statt der Bilanzierung die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung nutzen.

Auch bei der Lohnsteuerpauschalisierung für kurzfristig Beschäftigte gelten neue Schwellenwerte. Betroffen ist die Lohnsteuer für Arbeitnehmer, die in der Firma nur gelegentlich höchstens 18 zusammenhängende Arbeitstage und nicht regelmäßig wiederkehrend beschäftigt sind. Für diese Aushilfen darf das Unternehmen pauschal 25 Prozent Lohnsteuer abführen. Wegen der Einführung des Mindestlohns darf dabei der durchschnittliche Tagesverdienst jetzt bei höchstens 68 Euro (bis Juli 2015: 62 Euro) liegen.

Existenzgründer werden im Jahr der Gründung von der Meldepflicht zur Umweltstatistik sowie zu diversen Wirtschaftsstatistiken entbunden. Diese Erleichterung gilt auch für die beiden folgenden Jahre, solange die Gründer nicht mehr als 800.000 Euro (bisher 500.000 Euro) Umsatz jährlich erzielen.

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Steueränderungsgesetz 2015: Erleichterung beim Investitionsabzugsbetrag für bewegliche Wirtschaftsgüter

Kleine und mittlere Unternehmen können für die in den nächsten drei Jahren geplanten Investitionen in bewegliche Wirtschaftsgüter einen Abzugsbetrag von bis zu 40 Prozent und maximal 200.000 Euro gewinnmindernd gelten machen. Diese Möglichkeit der Abschreibung – etwa von Investitionen in Büromöbel oder Maschinen, Computer oder Fahrzeuge – hat es schon bisher gegeben. Allerdings sind die Möglichkeiten durch das Steueränderungsgesetz 2015 nun deutlich weiter gefasst:

  • Anders als bisher muss die Funktion des angeschafften Wirtschaftsguts ab 2016 nicht mehr konkret benannt werden. Stattdessen ist nun nur noch die Gesamtsumme der Abzugsbeträge an das Finanzamt zu übermitteln. Das Unternehmen kann statt eines geplanten LKW-Kaufs also beispielsweise auch mehrere Computer anschaffen.
  • Lediglich der geltend gemachte Gesamtwert der Investitionen muss innerhalb der Zeitspanne von drei Jahren erreicht sein. Andernfalls wird der Abzugsbetrag anteilig rückgängig gemacht und eine entsprechende Steuernachzahlung mit Verzinsung fällig.

Neue Sachbezugswerte für 2016

Unternehmen können ihren Beschäftigten durch die Bereitstellung von freier Verpflegung oder Unterkunft Gutes tun und davon auch selbst profitieren. Denn aufgrund der relativ niedrig angesetzten Bemessungsgrundlage für die Besteuerung kosten solche vom Arbeitgeber gewährten Sachbezüge dem Unternehmen netto weniger Geld als eine Gehaltserhöhung.

Der Bundesrat hat im November die neuen Sachbezugswerte für 2016 beschlossen. Der Wert für monatliche freie Verpflegung steigt demnach um sieben Euro auf 236 Euro. Die Werte für Unterkunft oder Mieten bleiben unverändert bei 223 Euro monatlich. Folgende Sachbezugswerte gelten im neuen Jahr:

Freie Unterkunft: 223 Euro/Monat
Freie Verpflegung: 236 Euro/Monat:

davon Frühstück 50 Euro/Monat oder 1,67 Euro/Tag, davon Mittag-/Abendessen 93 Euro/Monat oder 3,10 Euro/Tag.

Konzernklausel im Steueränderungsgesetz 2015

Wenn Kapitalgesellschaften Beteiligungen an einer anderen Kapitalgesellschaft erworben haben, blieben die Verlustvorträge des erworbenen Unternehmens bislang meist nur dann erhalten, wenn beide Unternehmen den gleichen Eigentümer hatten. Diese sogenannte Konzernklausel ist mit dem Steueränderungsgesetz 2015 erweitert worden. Künftig – und rückwirkend für Beteiligungserwerbe nach dem 31. 12. 2009 – bleibt der Verlustvortrag bei der Übertragung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft auch dann erhalten, wenn die Konzernspitze (also etwa eine Holding) selbst als Käufer auftritt oder die Holding eine in den Konzern integrierte Gesellschaft veräußert.

Höhere Grundfreibeträge und neue Tarifeckwerte in der Einkommensteuer

Bereits in 2015 ist der allen Steuerpflichtigen zustehende Grundfreibetrag der Einkommensteuer rückwirkend zum 1. Januar von 8354 Euro auf 8.472 Euro (Ehepaare: jeweils doppelter Betrag) erhöht worden. Für 2016 gelten nun erneut erhöhte Freibeträge:

2016 steigt der Grundfreibetrag auf 8.652 Euro (Ehepaare: doppelter Betrag). Einhergehend damit erhöht sich auch der Höchstbetrag für den Abzug von Unterhaltsleistungen  – etwa an erwachsene Kinder, für die kein Anspruch mehr auf Kindergeld besteht – auf 8.652 Euro.

Ebenfalls ab 2016 gelten im Einkommensteuertarif höhere Eckwerte. Damit will der Gesetzgeber die sogenannte kalte Progression abbauen. Sie entsteht, wenn ein höheres Einkommen lediglich die Inflation ausgleicht und dennoch zusätzlich besteuert wird. Ein Beispiel für die höheren Eckwerte: Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent kommt bei einem Ledigen jetzt erst ab einem Einkommen von 53.666 Euro statt bisher schon ab 52.882 Euro zum Tragen.

Auf die steuerliche Identifikationsnummer (ID-Nummer) achten

Zum 1. Januar 2016 verlieren alle Freistellungsaufträge ohne gültige steuerliche Identifikationsnummer ihre Gültigkeit. Das gilt auch für unbefristet erteilte Aufträge. Ein neuer Antrag auf Freistellung muss jedoch nicht gestellt werden. Es genügt, die ID-Nummer an das betreffende Geldinstitut weiterzuleiten. Die Nummer findet sich auf dem Einkommensteuerbescheid oder in dem vom Finanzamt in der Zeit von Oktober bis November 2011 versandten Informationsschreiben. Wer diese lebenslang gültige Nummer dennoch nicht mehr findet, kann sie beim Bundeszentralamt für Steuern nochmals anfordern.

Unterhaltsleistungen an geschiedene oder getrennt lebende Ehegatten können nur noch dann als Sonderausgabenabzug geltend gemacht werden, wenn die steuerliche Identifikationsnummer des Unterhaltsempfängers vorliegt. Auch diese Nummer kann der zur Zahlung Verpflichtete beim Bundeszentralamt für Steuern erfragen.

Zum Autor:

Journalist Norbert Hofmann Portait

Norbert Hofmann Journalist

Norbert Hofmann ist freier Journalist. Er schreibt für große Wirtschaftsmagazine und Tageszeitungen. Der Diplom-Volkswirt ist unter anderem Spezialist für die Themen „Börse“, „Kapitalanlagen“, „Unternehmensmanagement“ und  „Mittelstandsfinanzierung“.

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